Der fünfte Tourtag

Heute ist Karfreitag. Ich verliere so langsam das Gefühl für die Wochentage. Es gefällt mir durch diese menschenleere Landschaft zu fahren, eine kleine Wildnis in unserer zivilisierten Welt. Die Zeit wird unbedeutend und nebensächlich. 
Ich passiere die Koblenzer Laufen. Der Pegel hier ist im Vergleich zum Bodensee sehr hoch. Irgendwer, wer hab ich vergessen, hat mir erzählt, dass das Wasser aus dem Bodensee abgelassen wird, weil man befürchtet, dass es zu einer starken Schneeschmelze kommt. Gut für mich. Ich kann mich so gut durch die Koblenzer Laufen schaukeln lassen. 
Zur Mittagszeit kommt die Sonne raus. Ich mache ein ausgiebiges Päuschen und lasse mich bescheinen. Hoffentlich war es das jetzt mit dem Regen, hoffe ich. 
Am Nachmittag taucht das Atomkraftwerk auf der Schweizer Seite bei Bernau in voller Größe vor mir auf. Gestern habe ich schon aus der Ferne die Wolken gesehen, die es aus seinem Kühlturm bläst. Brisanz und Gefährlichkeit strahlt es aus. So manche Bedenken steigen in mir auf. An dem WasserKraftWerk dahinter komme ich mit Anwohnern ins Gespräch, für die der Anblick schon ganz normal geworden ist, aber begeistert sind sie nicht, auch wenn es damit viele Arbeitsplätze gibt....
Mittlerweile haben die Wolken wieder die Vorherschaft am Himmel übernommen und es nieselt immer mal wieder so vor sich hin. Ich halte Ausschau nach einem Campingplatz, den es hier, laut Karte, irgendwo geben muss, vergeblich. Aber ich entdecke ein kleines Häusschen und frage vorsichtig an, ob ich hier mein Zelt aufschlagen könnte. Mich begrüßt als erstes Diego, der Hund des Hauses. Dann kommen Moni und Franz dazu und sagen Ja. Prima. Am Abend treffen wir uns auf Tee und Kaffee und ich erfahre, dass immer wieder Menschen mit ihren ganz eigenen, lustigen, kleinen Geschichten hier stranden...vielen Dank euch beiden für diesen gemütlichen Abend.